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464. Sieben Meter hoch: Regierung will Mussolini-Denkmal auf Mallorca orten und ausgraben

Mallorca Zeitung, 6. März 2025

Das gewaltige Bauwerk stand seit 1939 am Eingang eines Kasernengeländes. Dann passte es in den 50er-Jahren nicht mehr zu der Annäherung Francos an die USA

Text: Jaume Bauzà

Ein monumentales Denkmal für den italienischen Diktator Benito Mussolini könnte schon bald auf Mallorca wieder ausgegraben werden. Historiker gehen davon aus, dass es in den 50er-Jahren auf einem damaligen Kasernen-Gelände bei Palma niedergerissen und vergraben wurde. Nun könnte es im Rahmen der Bauarbeiten des sogenannten “Sicherheitsdistriktes von Son Banya” wieder ans Licht gebracht werden.

Ähnlich wie das Dritte Reich mit der in Pollença stationierten Legion Condor hatte auch Italien im Spanischen Bürgerkrieg (1936–1939) Kampfflieger auf Mallorca stationiert. Die Aviazione Legionaria flog von der Insel aus Bombenangriffe auf die von den Verteidigern der Republik kontrollierten Gebiete auf dem Festland. Der Historiker Manuel García Gargallo geht davon aus, dass das Denkmal nach dem Sieg der Aufständischen unter Francisco Franco Mitte 1939 auf Initiative eines Mitglieds der Flugbasis errichtet wurde - von Heros Giusti, dem Staffelchef der in der Kaserne stationierten Flugabwehrbatterie.

Sieben Meter hoch und dreieinhalb Meter breit
Das Denkmal bestand aus einem Stein, der in den Steinbrüchen von Porreres abgebaut worden war, und hatte einen Bogen von sieben Metern Höhe und dreieinhalb Metern Breite. Im Inneren befand sich eine Mussolini-Büste mit einem Durchmesser von eineinhalb Metern. Sie ruhte auf einer viereckigen Säule.

Infolge der Annäherung an die USA beschloss das Franco-Regime dann in den 50er-Jahren, die Spuren der Zusammenarbeit mit dem italienischen Faschismus und dem Dritten Reich weitgehend zu tilgen. Laut den Recherchen García Cargallos und weiterer Historiker wurde das Denkmal gestürzt und an seinem ursprünglichen Standort nahe dem Kaserneneingang vergraben.

Landesregierung ist zu Ausgrabungen bereit
Ob dem tatsächlich so war, ist nicht hundertprozentig gesichert. Über die Existenz des Denkmals existieren keine offiziellen Dokumente, erste Luftaufnahmen des Geländes zeigen keine Unebenheiten oder Veränderungen im Boden, die auf ein großes Objekt unter der Oberfläche hindeuten könnten. Man werde aber versuchen, das Denkmal zu lokalisieren, heißt es nun bei der balearischen Landesregierung. Wenn Hinweise auf den genauen Standort vorliegen, könnten Ausgrabungen vorgenommen werden.

Bei dem zukünftigen “Sicherheitsdistrikt” unweit der Baracken des Drogenumschlagplatzes Son Banya handelt es sich um einen Gebäudekomplex, in dem die Generaldirektion für Notfälle, eine Polizei-Hochschule sowie die Einsatzzentrale des Notrufs 112 untergebracht werden soll. Vor Beginn der Bauarbeiten will die Balearen-Regierung aber zunächst versuchen, das Denkmal für den “Duce”, wie Mussolini einst genannt wurde, zu orten.

Historiker schlägt Unterbringung im Militärmuseum vor
„Die archäologischen Untersuchungen im Vorfeld des Baus des zukünftigen Sicherheitsdistrikts könnten das Denkmal lokalisieren. Wegen seines unbestreitbaren historischen Werts sollte es ausgegraben und an einen geeigneten Ort gebracht werden – etwa ins Historische Militärmuseum von San Carlos – etwa ins Historische Militärmuseum von San Carlos“, schlägt García Gargallo vor.

Falls das Denkmal gefunden und geborgen wird, ist es jedoch unwahrscheinlich, dass es öffentlich ausgestellt wird. Dennoch besitzt es einen historischen Wert, der es für die Forschung interessant macht. „Das Denkmal ist ein weiteres Beispiel für die faschistische Architektur auf Mallorca und belegt die Verbindung des frühen Franco-Regimes mit den totalitären Bewegungen Europas. Allerdings ist es eine untypische Hinterlassenschaft, da es eine private Initiative eines italienischen Faschisten war und nicht unter der Kontrolle der örtlichen Behörden stand“, betont der Historiker García Gargallo.